Fertigstellung November 2012
Bauprojekt

Forsthaus Chopfholz

Forsthaus für Festbetrieb der Einwohnergemeinde Rüschlikon


In Zusammenarbeit mit:
Holzbau - schaerholzbau ag, Altbüron
Spenglerarbeiten - Weissmet Bauspenglerei, Rüschlikon
Metallbauarbeiten - Ruben Cista Metallwerkstatt, Zürich

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Architektur

Das Forsthaus Chopfholz liegt am linken Zürichsee Ufer, auf einer Waldlichtung am höchsten Punkt der Gemeinde Rüschlikon. Es bietet Waldspaziergängern einen überdachten Rastplatz mit Blick auf den Zürichsee an und kann von RüschlikonerInnen für Feste gemietet werden. Das neue Waldhaus wurde von der Gemeinde als Ersatz für die im Jahre 2009 niedergebrannte Hütte in Auftrag gegeben. Um zwischen den hochstämmigen Tannen zur Geltung zu kommen, steht das Forsthaus mit hohem, spitz zulaufendem Satteldach auf dem Waldboden. Da das Dach dadurch den größten Teil der Gebäudeansichten ausmacht, wurde Wert auf eine lebhafte Wirkung der Dachhaut gelegt. Auf den dunklen Blechrauten bilden sich die komplexen Schatten der Bäume ab, der Regen lässt die Rauten glänzen, im Sonnenlicht leuchten sie hell auf, das Dach ist ein einziges, großes Strickwerk von ineinander gehängter Einzelrauten. Die Holzfassade ist mit Nadelholzteer behandelt, welches der Hütte zusammen mit dem dunklen Dach ein durchgehend schwarzes Gewand verleiht. Die Farbigkeit des Waldes kontrastiert so vor allem im Herbst wunderbar mit dem Waldhaus. - Einzig die Fenster sind weiß umrahmt und verleihen der Hütte auch aus der Ferne, durch das Dickicht hindurch, ein Gesicht. Dem vom Satteldach geprägten Volumen wurde seeseitig eine überdachte Terrasse herausgeschnitten und gegen Norden zeichnet sich die ins Obergeschoss führende Treppe ab. Zwei Giebelaugen, eine massive Eichenstütze beim Eingang, figurenhafte Kamine und eine Dachgaube schmücken die grundsätzlich zurückhaltend in Erscheinung tretende Hütte. Im Innern bietet das Waldhaus der Festgemeinschaft einen großzügigen und hellen Saal an, der so gar nicht an eine herkömmliche Waldhütte erinnert. Dem Vorbild der „Urhütte“ folgend, besteht das Forsthaus grundsätzlich aus einem einzelnen, grossen Raum mit Küche(Herd) und archaischer Feuerstelle. Daneben gibt es ein kleines Obergeschoss, welches über eine Öffnung mit dem Saal verbunden ist, und Toiletten. Die Hütte ist nicht unterkellert. Der Festsaal kommt ohne sichtbare, statische Elemente aus und strebt bewusst eine gewisse Abstraktion an, wird einem durch das Tannenholztäfer, insbesondere auch haptisch und geruchlich, wieder vertraut. Zeigt sich die Holzverkleidung gegen außen dunkel und witterungsbeständig, so begegnet einem das Holz im Innern in seiner Reinheit, verletzbar weich, samtig glänzend und warm.

Holzbau

Die tragenden Innen- und Außenwände, sowie die Decken und Dachelemente des Forsthauses bestehen aus Holzelementen, welche im Werkhof vorfabriziert wurden. Sie wurden per Lastwagen vor Ort gebraucht und an einem Tag mit dem LKW-Kran versetzt. Die Holzelemente setzen sich aus einer Ständerkonstruktion (meist 60/220mm) zusammen, welche zur Aussteifung beidseitig mit einer diagonal montierten 22mm Massivholzschalung beplankt ist. Die Hohlräume sind mit Zellulosedämmung, rezykliertem Altpapier, ausgeblasen. Der Rohbau des Forsthauses besteht somit komplett aus ökologisch nachhaltigem Material.

Aussenverkleidung

Sägerohes rift/halbrift Fichtentäfer (21/160mm) bekleidet die über einen 30mm Holzrost belüftete Fassade. Zur Färbung und zum Schutz der Fassade ist das Täfer mit schwarzem Nadelholzteer (verkokstes Kiefernholz) gestrichen, welches tief ins Holz eindringt, wasserabweisend ist und die Fassade damit sehr alterungsbeständig macht. Der Anstrich mit Nadelholzteer hat vor allem in Skandinavien Tradition. So befinden sich beispielsweise die Fassaden zweihundert jähriger, norwegischer Stabholzkirchen noch heute in sehr gutem Zustand. Die Rußanteile im Nadelholzteer verleihen der Fassade einen unverkennbar rauchigen Duft, welcher an der Oberfläche auch nach Jahren noch wahrgenommen wird. Gedanklich ist das Naturprodukt Nadelholzteer als Anstrich interessant, weil man Holz mit verkokstem Holz behandelt und färbt. Und da es mehr ein Öl denn ein Farbanstrich ist, bleibt die Maserung des Holzes auch nach der Behandlung gut erkennbar.

Innenverkleidung

Die Innenverkleidung besteht aus praktisch astreinem (Klasse A), unbehandeltem Weißtannentäfer (21/105mm) welches fugenlos, mit Nut und Kamm verbunden, horizontal verlegt ist. Das Täfer ist mit unsichtbarer Nagelung auf einem 40mm Holzrost(Installationsschicht) angebracht. Tür- und Fenster-leibungen, sowie die Fensterrahmen sind ebenfalls in massiver Weißtanne gehalten, wobei Letztere zum Schutz vor Dampfdiffusion innwendig geölt wurden. Die Türblätter sind einseitig mit Weißtannenfurnier belegt. Treppe und Fußboden im Obergeschoss bestehen aus massiven, 24mm dicken, Eichendielen. Die Eiche ist mit Steinöl behandelt, welches mit einer geringen Menge weißem Farbpigment versehen wurde. Die Dreischichtplatten der Nasszellen wurden ein Mal offenporig (durchscheinend) schwarz und anscheinend mehrfach mit Klarlack vor Ort gestrichen.

Dacheindeckung

Die Dachhaut besteht aus einzelnen, mittels Blechschlaufen auf die Dachlattung genagelten, anthrazit farbenen Titanzinkrauten. Die Rauten sind diagonal, von unten beginnend verlegt. Jede Raute ist mit den vier benachbarten Rauten über Falze fest verbunden. Die gesamte Dachhaut ist somit, ähnlich einem Webstoff, ein zusammenhängendes Stück. Auch der Kamin und die Kaminhüte sind in Titanzink gehalten. Das Blech ist mit einer Beschichtung versehen, welche das Auswaschen des Materials verhindert und somit den Waldboden und das Grundwasser schont. Die Entwässerung geschieht über Speier, das Regenwasser versickert also ohne Leitungen direkt im Waldboden.

Feuerstelle

Die Feuerstelle besteht im Kern aus einer handelsüblichen Brennzelle mit kreisförmigem Schutzglas und einem isolierten Rauchrohr. Die Ummantelung dieser beiden feuertechnisch notwendigen Elemente stellt eine vom Kunstschlosser als Einzelstück gefertigte Stahlkonstruktion mit Blechverkleidung dar. Ähnlich der Unterkonstruktion eines Bootrumpfes, setzt sich das Traggerüst der Verkleidung aus feinen vertikalen und horizontalen Stahlrippen zusammen, welche an den Kreuzungen jeweils zur Hälfte ausgenommen sind und sich somit aussteifend ineinander verzahnen. Mit diesem Gerüst wurden 2,5mm starke, an den Kanten auf Gehrung geschnittene Stahlsteifen, punktverschweißt (unsichtbar). Die Stahlstreifen bilden die sichtbare Hülle. Die lebendige Oberflächenstruktur rührt davon, dass die Stahlstreifen tagelang der Wirkung von Säure ausgesetzt, später abgelaugt und zum Schluss mit graphithaltigem Öl abgerieben wurden. Das Schnittmuster der Stahlrippen und Streifen für das Laserschneidegerät, wurde aufwendig mittels 3d-Model ermittelt. Nur so konnte die Abwicklung der aus doppelt gewölbten Flächen bestehenden Form erfasst, gezeichnet und schließlich realisiert werden.


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