Januar 2015, Buchs
selektiver Projektwettbewerb

Schulraumerweiterung Petermoos

Schulraumerweiterung Sekundarschule, Turnhalle und Neubau Gemeindesaal


In Zusammenarbeit mit:
Brigitte Nyffenegger, Umland LA Zürich
Tom Richter, APT Ingenieure Zürich
Frank Kabilka, Caretta Weidmann Zürich
Basil Monkewitz, Amstein + Walthert Zürich

>   zurück zum Projekt


Städtebau und Architektur

Ausgangspunkt des Entwurfes bilden die Deutung des Bauplatzes mit seinen spezifischen Qualitäten, sowie die von Roland Gross in den Siebzigerjahren entworfenen Schulbauten. Als prägnanteste Eigenschaften der Parzelle werden deren Hanglage an einem Hügel, die sich damit ergebenden Fernblicke, sowie die radiale Entwicklung der Parzelle entlang der Drisglerstrasse empfunden. Die von der Hanglage herrührende Staffelung der heutigen drei Schulhaustrakte wirkt selbstverständlich und überzeugt. Die orthogonale, sanfte Terrassierung des Geländes entlang des Petermoosweges mit den bestehenden Einfachturnhallen und Aussenflächen ist ebenfalls nachvollziehbar und schlüssig. Der ursprünglich für den Bau eines Singsaales und einer weiteren Abwartswohnung vorgesehene Raum zwischen den bestehenden Gebäudevolumen, wirkt zu grosszügig, ihm fehlt eine programmatische Zuordnung und eine klare räumliche Fassung wird vermisst. Dieser zentral gelegene Zwischenraum, in der Form eines Kreisausschnittes, bietet sich für den Bau von Räumlichkeiten an, welche von der Gemeinde und der Schule genutzt werden können. Der Entwurf verfolgt das Ziel den bestehenden Massstab der Schulanlage weiterzuführen, da die Schule neben den kleinmassstäblichen Wohnbauten und den landwirtschaftlichen Flächen bereits heute markant in Erscheinung tritt. Dies führte zum Beschluss, den Gemeindesaal, die Sporthallen und die Schulraumerweiterung samt dem Werkzentrum auf drei neue Gebäudevolumen zu verteilen, was zu einer campusartigen Gesamtanlage führt. Dieser Entscheid wird weiter durch die Überzeugung getragen, es sei natürlicher sich in dieser ländlichen Umgebung über Aussenräume von Gebäude zu Gebäude zu bewegen, denn innerhalb eines zusammenhängenden Gebäudekomplexes, was eher städtisch anmuten würde und aufgrund der Hanglage schwierig umzusetzen wäre. Eine Umnutzung der bestehenden Einfachturnhallen wurde geprüft, zu Gunsten des uneingeschränkten Entwerfens einer stimmigen Gesamtanlage, aber verworfen. Die Neubauten führen die vorhandene Höhenstaffelung fort. Die höchsten Gebäude, die bestehende Schule inklusive der Erweiterung stehen hangseitig im Hintergrund und bilden den Rücken der Anlage. Davor stehen die tieferen Gebäudekörper der Turnhalle und des Gemeindesaales. Die Schulerweiterung überragt den Bestand um ein Geschoss und die Nebenraumschichten von Dreifachturnhalle enthalten ebenfalls jeweils einen geschosshohen Versatz, was zu einer stimmigen Gesamtkomposition führt. Die Turnhalle und der Gemeindesaal bieten so Eingänge auf zwei unterschiedlichen Niveaus an. Durch die Staffelung sind von der Drisglerstrasse her alle Gebäudeteile ersichtlich, die Schule bewahrt ihre Präsenz so trotz den ihr vorgelagerten Bauten.

Disposition der Neubauten

Die Verteilung des Raumprogrammes folgt folgenden Überlegungen: Der Neubau mit Schule und Werkzentrum wird klar als Erweiterung des bestehenden Schulbetriebes verstanden und umgesetzt. Der Neubau orientiert sich volumetrisch und typologisch am Bestand, und wird mittels einer gemeinsamen, beheizten Eingangshalle direkt mit ihm verbunden. Die Setzung, beziehungsweise Ausrichtung des Gebäudekörpers, auf dem höchsten Punkt der Parzelle, ist mehrfach lesbar, ihm kommt die Funktion eines Gelenkes zu. Der Neubau wird einerseits als viertes Glied der Schule verstanden, anderseits bezieht er sich mit seiner Ausrichtung aber auch auf den Petermoosweg und damit auf die Dreifachturnhalle und die Aussenflächen. Die Dreifachturnhalle ist klar am Petermoosweg disponiert und fügt sich optimal in die bestehende, orthogonale Terrassierung ein. Ihr ist ebenerdig der Allwetterplatz vorgelagert. Der Schulunterricht bleibt so unbeeinträchtigt von den im Freien stattfindenden Sportaktivitäten. Durch das Zurückrücken der Sporthalle um die Breite des Allwetterplatzes wird von der Verzweigung Petermoosweg/Drisglerstrasse die Sicht auf den Gemeindesaal und die Bibliothek ermöglicht, welche bis an die Drisglerstrasse reichen. Die beiden öffentlichsten Gebäude, welche auch Gäste ausserhalb des Schulbetriebes empfangen, liegen damit prominent am Eingang der Gesamtanlage und können durch ihre Nähe, den gegenüberliegenden Eingängen und dem dazwischenliegenden Platz optimal in gegenseitiger Ergänzung genutzt werden. Der Gemeindesaal nimmt die Geometrie des fächerförmigen Raumes, den ihn umgibt, in sich auf und fügt sich so harmonisch zwischen Schule und Turnhalle ein. Insbesondere der Saal selbst profitiert dabei von den leicht konisch zulaufenden Wänden, er erhält dadurch den Grundriss eines klassischen Konzertsaales und tritt feierlich in Erscheinung, ohne dabei Einschränkungen in der Nutzung zu generieren. Während die unmittelbare Nachbarschaft der Turnhalle aus einigen Wohnbauten und dem grossen, landwirtschaftlichen Feld besteht, sitzt der Gemeindesaal leicht erhöht in der Mitte der Anlage und orientiert sich in die Weite, Richtung Altberg. Hangseits bildet das Gebäude mit der Bibliothek und gemeinsam mit der Schule und der Turnhalle einen intimen Pausenhof aus, welcher alle Gebäude erschliesst und der Schulanlage ihr Zentrum schenkt.

Volumetrie und architektonischer Ausdruck

Der architektonische Ausdruck und die Materialisierung der Neubauten werden so gewählt, dass ein homogener Gesamteindruck entsteht. Konstruktiv thematisieren die Turnhalle und der Saal wiederum die Hanglage. Die Unterirdischen Teile, die Fundamente und die Nebenräume werden in Massivbauweise ausgeführt, während die oberirdischen Teile der Hallen kostengünstig in Leichtbauweise ausgeführt werden. Halle und Saal beziehen so ihren Charme aus der Feingliedrigkeit und Eleganz des Stahlbaus. Die Schule wird, wie der Bestand, in Stahlbeton Skelettbauweise erstellt, um eine maximale Flexibilität der Grundrisse zu erreichen. Von einer Ausführung in Stahl wurde abgesehen, da Stahlbau nur bis zu zwei überirdischen Geschossen ohne brandschutztechnischen Massnahmen ausgeführt werden kann. Beide Bauweisen begünstigen die Verwendung der bereits vorhandenen Bandfenster und Verlangen nach einer Bekleidung der Fassaden, was zu einer willkommenen Verwandtschaft aller Gebäudeteile führt. Ist der Bestand mit Faserzementplatten verkleidet, so erhalten sämtliche Neubauten eine vorgehängte Fassade mit faserarmierten Betonelementen. (Stahlton) Der Gemeindesaal erhält zur Betonung des repräsentativen Charakters leicht geschwungene Elemente mit einer gewissen Tiefenwirkung, die Turnhalle und die Schule werden mit flächigeren Elementen bestückt, welche aber auch ein dezentes Relief aufweisen.

Freiraumkonzept

Die weiche Modellierung der Topografie aus der umgebenden Landschaft wird ins Gelände geholt. Darin eingeschnitten liegen hintereinander gestaffelte Terrassen. Die einzelnen Terrassen sind: der Allwetterplatz, die Sporthalle, grüne und graue Pausenbereiche um den Schulneubau. Die horizontal gehaltene Spielwiese und der kleine Allwetterspielplatz um den Schulneubau bereichern das Pausenangebot. Sowohl in die weich modellierte Topografie sowie in die Terrassen werden Baumdächer mit Sitzstufen wie Inseln eingefügt. Wo nötig sind sie ausgeebnet. Sie dienen als Ankunftsort, Raum für Apèros, sind Rückzugsorte in den Pausen und bilden die Räume für die Veloabstellplätze. Der Gemeindesaal liegt an dem Ort mit schöner Weitsicht in Richtung Süden. Sämtliche horizontale Plätze sowie die Spielwiese haben Blickbezug zur umgebenden Landschaft. Die Aufenthaltsorte in den Bauminseln weisen allesamt interessante Ausblicke auf. Die Gebäude sind gegenüber der offenen Landschaft mit Hecken umrandet. So wird das Siedlungsbild aus Sicht der Landschaft gestaffelt und gefasst. Sämtliche Gebäude sind mit 6% rollstuhlgängig erschlossen und mit dem LKW zugänglich. Die Autoabstellplätze werden für den Schulbetrieb wie am Abend genutzt. Mit Ausnahme der Behindertenparkplätze und der Stellplätze für die Anlieferung liegen alle südlich der Drisglerstrasse. Die Veloabstellplätze der Lehrer und für die Öffentlichkeit liegen direkt am Eingang ins Areal an der Drisglerstrasse, diejenigen der Schülerinnen und Schüler in der Nähe der Schulbauten. Der Freiraumentwurf gibt eine Grundstruktur vor. Diese kann mit Nutzungseinrichtungen oder mit Elementen für den Biologieunterricht ergänzt werden. Entlang der Drisglerstrasse wurden repräsentative Bereiche, die von der Öffentlichkeit genutzt werden können, angelegt. In Richtung Schulgebäude wird die Nutzung überwiegend durch den Schulbetrieb bestimmt werden. Die terrassierten Flächen werden mit farblich auf die Fassaden abgestimmtem eingefärbtem Asphalt und mit Rasen versehen. Im weich modellierten Bereich werden die vorhandenen Porphyrpflastersteine wieder eingebaut. Die Grünflächen können als Wiesen gehalten werden. Die Chaussierungen werden als abgesplitterte Mergelflächen erstellt. Der Grad des Vergrünens dieser Flächen wird gezielt gesteuert. Die Sitzstufen sind aus Ortbeton. Die Bauminseln werden mit dem Amberbaum (Liquidambar styraciflua) bepflanzt. Er zeichnet sich durch seine mittlere Grösse, die Verwandtschaft zu den Gehölzen der Landschaft und seine eindrücklich schöne tiefrote Herbstfärbung aus. Er ist auf Plätzen geeignet. Die Gehölze am Rand der Schulanlage sind einheimische Sträucher unterschiedlicher Grösse, die auch in der Landschaft zu finden sind.


>   zurück zum Projekt