Juni 2014, Kloten
selektiver Projektwettbewerb

Mehrfamilienhaus Reutlen

Mehrfamilienhaus für 12 Parteien, reformierte Kirchgemeinde Kloten


In Zusammenarbeit mit:
Rafael Caretta, Caretta Weidmann Zürich
Tom Richter, APT Ingenieure Zürich

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Architektonischer Ausdruck und Volumetrie

Die Eingliederung in die Nachbarschaft wird in einer den spezifischen Anforderungen des Grundstücks verpflichteten Volumetrie, sowie einer atmosphärischen Affinität zum Ort erreicht. Die schlanke Parzelle, die baurechtliche Situation zusammen mit der leicht abfallenden Topografie konvergieren in einen in der Höhe gestaffelten Baukörper. Wir befinden uns am Übergang der charakteristischen, zweigeschossigen Gartenstadtüberbauung “Swissairsiedlung” und der angrenzenden, mehrgeschossigen Familienhausbebauung “Rütle”. Der Ausdruck des Projekts sucht eine strukturelle Verwandtschaft zu quartierstypischen Merkmalen - wie zum Beispiel; Die rauhen Verputze von Fassaden, Fensterläden und Farbigkeiten, die Ausbildung von Dächern (Satteldach), oder die den Bauten vorgelagerten Gebäudeteilen aus Küchen, Loggien und Wintergärten - jedoch neu interpretiert und in eine zeitgemässe Form des Wohnens gebracht. Durch die Verzahung der mineralischen Fassade mit dem hölzernen Dachgeschoss und den Holzloggien zeichnet sich die offene Raumfigur des Grundrisses an der Fassade ab. In der Konsequenz sind die beiden obersten Wohnungen in Leichtbauweise gebaut - damit erhält das Wohnen im Dachgeschoss einen spezifischen Charakter, welcher sich zum Regelgeschoss unterscheidet.

Disposition Grundrisse

Das Haus besteht aus einem Untergeschoss mit Parkierung, Technik und Lagerräumen, einem anrechenbaren Untergeschoss (Erdgeschoss) im Sockelbereich, welches neben Eingangsbereichen und Waschküchen das Pfarrbüro und zwei Parterrewohnungen aufnimmt. Darüber liegen vier Vollgeschosse (Verzicht auf baurechtliches Dachgeschoss) - wobei das oberste Geschoss in Leichtbauweise zusammen mit der Dachterrasse eine eigene Identität erhält. Der Zugang zum Haus erfolgt über den Reutlenweg. Die Tiefgaragenrampe wird hinter dem Haus errichtet. Leichte Bepflanzung schafft eine klare Abgrenzung von privaten und gemeinschaftlichen Aussenräumen. Zusätzlich zu den gemeinschaftlich genutzten Bereichen auf Erdgeschoss-Niveau wird eine Dachterrasse angeboten. Diese wird aus den Treppenhäusern erschlossen und kann von sämtlichen Bewohnern mitgenutzt werden.

Wohnungsgrundrisse

Die Wohnungsgrundrisse sind analog der Gestaltung des Baukörpers situativ geprägt. Die vier Wohnungen pro Regelgeschoss sind jeweils in ihrer Höhenlage leicht zueinander versetzt, was aufgrund der beiden Vertikalerschliessungen im Split möglich wird und den Gebäudekörper gliedert. Die offene Raumfigur spannt zwischen Wohnbereich an der Südfassade und Ess- und Kochbereich an der Nordfassade und bildet damit in jeder Wohnung zwei starke Räume mit spezifischer Identität. Sie kann als Auflösung einer Kabinettstruktur verstanden werden, die sich als gemeinschaftlicher Wohnraum von den Raumkammern der individuellen Zimmer abgrenzt und sich an den Fassaden abzeichnet. Die Sequenz klar zonierter Räume innerhalb der Wohnung schafft vielfältige Durchblicke über die ganze Länge der Wohnung und spannungsvolle Räumlichkeit mit einer gewissen Grosszügigkeit. Die privaten Aussenräume sind grosszügig bemessen und vermitteln als öffentlichster Raum der Wohnung zu den Wintergärten der angrenzenden Mehrfamilienhäusern und zum durchgrünten “Gartenstadtquartier”.

Baurechtliche Situation und Wohnungsspiegel

Wir schlagen einen Zeilenbau mit zwei Erschliessungskernen vor - anstelle des sich aufdrängenden dreispännigen Punktbaus und der daraus resultierenden Anordnung der Wohnungen um einen einzelnen Erschliessungskern. Durch den Gewinn des Familienbonus von 10% zusätzlicher Ausnützung wird eine zu den zwei Erschliessungskernen adäquate Wohnfläche pro Geschoss möglich. Die geforderte Vielfalt der angebotenen Wohnungsgrössen verändert sich dabei im Verhältnis zur zusätzlich ermöglichten Wohnfläche in einem geringen Masse. Es entstehen so über das gesamte Haus gleich gewichtete, mehrseitig orientierte Wohnungen. Die Vermeidung von Korridoren ergibt grosse, unterschiedlichst möblierbare Wohnräume die über die ganze Wohnungstiefe von Nord- zu Südfassade spannen und weitgreifende Sichtbezüge ermöglichen. Wir sind der Überzeugung, dass sich architektonische Qualität und Nachhaltigkeit und damit “Wertvermehrung” längerfristig stark durch die räumlichen Qualitäten innerhalb der Wohnungen auszeichnet.

Konstruktion

Das Energie - und Technikkonzept ist darauf ausgerichtet, durch kompakte Bauweise und eine gut isolierende Gebäudehülle den Energieverbrauch zu minimieren, so dass der Minerge ECO Standard erreicht wird. Das verputzte Einsteinmauerwerk im Mittelfeld bildet den mineralischen Kontrast zur Holzbauweise im Dach und den Loggien. Die nicht erschlossenen Dachflächen sind extensiv begrünt oder für Warmwasserkollektoren vorgesehen. Der Neubau wird bis auf das oberste Geschoss in Massivbauweise erstellt. Die Lastabtragung sowie die Schachtführung erfolgt bis ins Niveau -1 vertikal. Die Innenwände können damit preisgünstig aufgemauert oder in Trockenbauweise erstellt werden. Ausreichende Dämmstärken, natürliche Materialien sowie die Gewinnung erneuerbarer Energie (bspw. Warmwasserkollektoren auf dem Dach) schaffen die Voraussetzungen für das Erreichen des Minergie-Eco-Labels.


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