Juni 2017, Zürich-Wollishofen
eingeladener Projektwettbewerb

Ersatzneubauten Tannenrauchstrasse

Ersatzneubauten für die Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Zürich (wsgz)


In Zusammenarbeit mit:
Thomas Kolb Landschaftsarchitektur Zürich

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Städtebauliche Situation, architektonischer Ausdruck

Von Beginn weg waren wir fasziniert von der Kurve, dem Bogen welche die Tannenrauchstrasse vollzieht um auf Höhe der Jugendherrberge in die Mutschellenstrasse zu münden. Sie wirkt weit und dynamisch und mit ihrem leichten Gefälle wähnt man sich wie auf einem breiten Fluss gemächlich stadteinwärts treibend. Am lauschig grünen Ufer dieses Stromes treiben zwei Weidlinge, es sind die längsseitig an die Tannenrauchstrasse grenzenden zwei Baukörper der aus 5 Volumen bestehenden neuen Wohnsiedlung. Mit ihrer Stromlinienform setzen sie sich in den Dienst des Schwungs der Strasse, sie wollen jenem weder bremsen noch kanalisieren, vielmehr rhythmisieren sie ihn mit den sanften Fassadenknicken und der Tiefenstaffelung der Neubauten. Die horizontale Gliederung der Fassaden unterstützt diese Absicht zusätzlich. Daneben fundiert der Städtebau der Ersatzneubauten auf der Analyse der bestehenden Wohnsiedlung und der Benennung derer Qualitäten und Schwächen. Als Qualität wurde die räumliche Fassung der Tannenrauchstrasse mittels den Längsfassaden der beiden südwestlichen Wohnzeilen und der Stirnfassade der langen Zeile im Süden empfunden. Auch der räumliche Abschluss zum Besenrainweg mit dem angrenzenden Schwimmbad wirkt heute schlüssig. Weiter gefallen die Einblicke, welche man von der Tannenrauchstrasse aus in die Aussenbereiche der Siedlung erhält und den Sichtbezügen zur Mutschellenstrasse und in die weitere Nachbarschaft. Durch die Querstellung zwei weiterer Zeilen entstehen zwei Aussenräume. Die drei in die Tiefe der Parzelle greifenden Häuser grenzen mit ihren Stirnfassaden an die kleineren, an der Mutschellenstrasse stehenden Häuser, was die Unterschiedlichkeit der Gebäudegrössen klein erscheinen lässt. Als Schwäche wurden die zu parallel gefassten Aussenräume empfunden die stark nach Südwesten gewählte Ausrichtung der Wohnsiedlung, welche zu abweisend wirkenden Gebäuderückseiten führt. Die geschliffenen Körper der Neubauten schaffen einladende und durchfliessende Aussenräume. Die mehrheitlich als Dreispänner organisierten Häuser orientieren sich in alle Himmelsrichtungen und haben ein Leben im modellierten Park als Vorbild. Die zentrale von der Mutschellenstrasse her in die Mitte der Anlage greifende Zeile vermittelt zwischen den unterschiedlichen Masstäben und setzt mit den zwei zusätzlichen Geschossen eine Akzent in der Höhenentwicklung im Innern der Siedlung. Die Häuser werden alle nord- bzw. nordostseitung erschlossen, so entsteht ein belebtes Wegnetz im Aussenraum, welches auch die Aufenthaltsorte der Gartenanlage erschliesst.

Wohnungen

Das Zelebrieren des Wohnens in der Gartenstadt findet vom Park bis auf die Loggien und auf das umlaufende Geschossfries, wo die Bewohner dazu ermuntert werden rundum Pflanzen anzubringen, der Thematik der Einsicht wird damit auf natürliche Art und Weise begegnet. Die Wohnungen sind nach dem Zweibelprinzip organisiert. In der äussersten Schicht befindet sich umlaufend der Aussenraum, es folgen die Wohn- und Schlafräume, dann die Nasszellen und im Kern schliesslich befindet sich die Erschliessung.

Aussenraumkonzept

Der für Wollishofen, und die Gartenstadt im allgemeinen, fliessende Grünraum bildet auch für die Freiraumgestaltung der projektierten Bebauung das Leitthema. Ein frei geformtes Wegenetz umfliesst eine sanft bewegte Rasentopografie, welche sich zwischen den Baukörpern ausbreitet. Drei Anschlüsse an die Tannenrauchstrasse bilden den Auftakt in ein Wegesystem, welches die Hauszugänge untereinander sowie die Anschlüsse an das umliegende Quartier, insbesondere die Tannenrauch- mit der Mutschellenstrasse verbindet. Zwei zentrale Platzflächen stehen den Bewohnern zum Aufenthalt und als siedlungsinterner Treffpunkt zur Verfügung. Neben dem Kleinkinderspielplatz stehen den Kindern auch diverse Spielflächen in den umliegenden Schulanlagen zur Verfügung. Die topografisch überzeichnete Rasenfläche generiert eine räumliche Komplexität welche die Distanzen grösser erscheinen lässt. Gleichzeitig gewährleisten sie die Privatheit der Loggien im Erdgeschoss. Mit einer Höhe von max. 1.20m bleiben die Aussenräume übersichtlich und einfach zu bewirtschaften. Langgestreckte Gräserpflanzungen entlang der Parzellenränder bilden einen räumlichen Abschluss gegenüber dem Strassenraum und kleiden innerhalb der Siedlung die Aufenthaltsnischen aus. In unterkellerten Bereichen bieten die Rasenhügel ausreichend Aufbaustärke für grosswachsende Solitärbäume. Der Baumbestand wird wo nicht durch die Bauarbeiten tangiert belassen und entsprechend mit Kuchenbaum (Cercidiphyllum japonicum), Judasbaum (Cercis siliquastrum) und Schwarzföhre (Pinus nigra) ergänzt. Dazwischen bilden mehrstämmige Hartriegel (Cornus controversa, Cornus kousa) eine prägnante Strauchschicht. Mit der intensiven Vegetation soll der Baumasse ein dicht durchgrünter, aber trotzdem durchlässiger Zwischenraum gegenübergestellt werden.




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