März 2014, Wettingen
selektiver Projektwettbewerb - 3.Preis

Turnhallentrakt Margeläcker

Neuer Turnhallentrakt für die Primarschule Margeläcker Wettingen


In Zusammenarbeit mit:
Basil Monkewitz, Amstein + Walthert Zürich
Tom Richter, APT Ingenieure Zürich

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Die in den Sechzigerjahren erstellte Schulanlage Margeläcker weist architektonisch und aussenräumlich hohe Qualitäten auf. Die neue Dreifachturnhalle soll sich in den Bestand integrieren und ihn bereichernd erweitern. Die wachsende Anzahl Schüler und der daraus folgende Wunsch der Bauherrschaft nach dem Erhalt der Aussenanlagen, gab den Ausschlag den neuen Turnhallentrakt unterirdisch anzulegen. So bleiben die zusammenhängenden, grosszügigen Sportflächen der Schule bestehen, welche - gesäumt von alten Bäumen - eine der wesentlichen Qualitäten der Schulanlage darstellen.

Disposition und Volumetrie

Der oberirdisch liegende Pavillon reiht sich zwischen die Bäume ein, markiert den Eingang in die Turnhalle und erweitert in eigenständiger Volumetrie die bestehenden Beziehungen zwischen den Gebäudevolumen und den vielseitigen Aussenräumen der Schule. Die übrigen oberirdischen Bauten, der Ausgang des Fluchttreppenhauses und der Geräteraum für die Aussensportanlagen, liegen ebenfalls am Rande der weiten Freifläche. Erreicht man die Turnhalle aus Südosten über die Margelstrasse, so nimmt einen der Eingangspavillon mit seiner Längsseite in Empfang und bietet unter dem Vordach Eingang, geschützter Pausenaufenthaltsraum und ausreichend Platz zum Abstellen von Fahrrädern. Die offene Bauweise des Pavillons lässt die Beziehung zu den höher liegenden Sportflächen bestehen. Von Osten her stellt sich der Oberbau der Halle an die Strassenflucht und führt einen so über einen Vorplatz, oder gar unter Arkaden, zur Schulanlage.

Pavillon und Schnittfigur

Der oberirdische Teil der Neubaute zeichnet sich im Wesentlichen durch ein Dach, zwei verglaste Treppenhäuser und einem durch das Dach geschützten Fensterband ab, welches die unterirdische Halle ankündigt und Passanten Einsicht gewährt. Das Projekt nutzt den Niveauunterschied zwischen der Margelstrasse und den Aussensportanlagen geschickt zur natürlichen Belichtung der Turnhallen. Diese Grundrissdisposition findet ihre Verfeinerung im Schnitt, wo durch kaskadenförmige Verschiebung der Nutzungsebenen alle Geschosse vom Tageslicht profitieren können. Durch die abtreppenden Geschosse entsteht eine Tribüne, auf welcher die Zuschauer die Sportereignisse mitverfolgen können. Aus der Perspektive der Sportler erfährt die Halle gegen Süden hin eine gestaffelte, aufgelöste Begrenzung, welche den Blick in den Aussenraum, in die nahe gelegenen Baumwipfel und den Himmel zulässt. Die einseitige Belichtung der Turnhallen schafft klare Lichtverhältnisse an welchen sich die Sportler orientieren können. Das Vordach verhindert störendes Spiel von Licht und Schatten, sowie Spiegelungen auf dem Hallenniveau, welche die sportlichen Aktivitäten ungünstig beeinflussen.

Räumliche Organisation und architektonischer Ausdruck

Der unterirdische Turnhallentrakt soll möglichst kompakt sein, um den Aushub gering zu halten und bauliche Dichte zu erreichen, ohne jedoch auf architektonische Akzente zu verzichten. Der Entscheid sämtliche Nebenräume südseitig an die Halle anzugliedern und mit bloss zwei fluchtwegtauglichen Treppenhäusern zu erschliessen, schafft Kompaktheit und Übersicht. Gleichzeitig bringen die auf den oberen beiden Ebenen verglasten Treppenhauskerne Tageslicht in die Tiefe, an die Knotenpunkte der Erschliessung. Die Versorgung mit natürlichem Licht wird zusätzlich durch Glasbausteindecken über dem doppelgeschossigen Saubergang auf der Garderobenebene und dem Foyer unterstützt. Der Orientierung am Tageslicht kommt in unterirdischen Bauten besondere Bedeutung zu. Das Projekt unterscheidet auf der Ebene der Garderoben zwischen Sauber- und Schmutzgang. Den Zuschauern steht auf der Ebene des Foyers und jener der Garderoben Raum als Tribüne zur Verfügung. Beide sind über zwei zusätzliche, peripher liegende Treppenläufe miteinander verbunden, wodurch Offenheit und Übersicht gefördert werden. Der Hallenboden aus Holz, strahlt innerhalb des Betonbaus Wärme aus. Das Fensterband gegen Süden, welches durch die Abtreppung der Geschosse in den Hintergrund rückt, wirkt aus der Distanz fein wie ein Vorhang. Die in Stahl ausgeführten Eingangstreppen führen den Dialog zwischen Massivität und Filigranität des Baus nach oben fort. Das Projekt vertraut in Bezug auf seine innenräumliche, architektonische Wirkung auf den Ausdruck der sorgfältig gewählten, massiven und deshalb eindrücklichen Tragstruktur. Sie besteht im Wesentlichen aus fünf vor Ort gegossenen Doppelunterzügen und den Betonrippenplatten, welche den Raum rhythmisieren und ihm Feingliedrigkeit verleihen.

Tragwerk und Gebäudestruktur

Um die Anforderungen bezüglich der grossen Einbindetiefe des Gebäudes in den Baugrund und Spannweite der Halle wirtschaftlich und ökologisch optimal zu erfüllen wird die gesamte Tragstruktur in Massivbauweise ausgeführt. Das Gebäude wird, bis auf wenige tragende Innenwände in Mauerwerk, durchgehend aus Ortbeton kombiniert mit Fertigteilen erstellt. Da eine offene räumliche Beziehung zwischen Oberlichtbau, Zuschauerebenen und Halle angestrebt wird, besteht das Primärtragwerk des Hallendaches aus lediglich fünf vorgespannten Doppelunterzügen, welche die Deckenuntersicht in sechs Deckenfelder gliedern und damit das Bauwerk in die drei Hallenteile. Sie weisen eine Gesamthöhe von 2.1m und eine Breite von 0.5m auf und erfüllen die Anforderungen an die Tragsicherheit und Gebrauchstauglichkeit bezüglich der Durchbiegung. Im Zwischenraum der Doppelunterzüge befinden sich technische Installationen wie Hallentrennvorhänge, Lüftung und Entwässerung und die Untersicht der Deckenfelder kann frei bleiben. Die Unterzüge kommen auf Stützen im Eingangsbereich und in der Rückwand der Halle zu liegen. Die Rippen dienen ausserdem als vertikaler Primärträger der Rückwand, um den grossen Erddruck in diesem Bereich effizient abzuleiten. Die Deckenfelder zwischen den Unterzügen werden aus Fertigteilrippenplatten mit Überbeton erstellt. Im pavillonartigen Eingangsbau in Ortbeton wird das Raster der Hallendecke als feine Dachstruktur mit geringeren Trägerhöhen der Fertigteilrippenplatten in den Aussenraum fortgeführt. Die Hallenaussenwände sind in Ortbeton vorgesehen und in Abhängigkeit vom Erddruck dimensioniert. Die gestaffelte Hallenseite weist aufgrund ihrer Geometrie einen geringeren Erddruck auf und kann konventionell mit Flachdecken auf Stützen und Wänden in Ortbeton erstellt werden. Bei einem gut tragfähigen Baugrund kann das Gebäude flach auf einer Bodenplatte in Ortbeton erstellt werden und muss gegen Auftrieb mit Hilfe von Zugpfählen gesichert werden. Dabei stehen wirtschaftliche Mikropfähle oder Injektionsrammpfähle im Vordergrund. Der Hallenboden ist mit einem flächenelastischen Parkett-Hallenboden mit Schwingboden ausgestattet. Dieser bietet gute Schockabsorption und Kraftabbau und ist auch für Rollsportarten (Behindertensport) geeignet.


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