Dezember 2015, Wollerau
offener Projektwettbewerb

Bildungs- und Begegnungszentrum Wollerau

Schulraumerweiterung Primarschule, Lernschwimmbecken und Neubau Gemeindesaal


In Zusammenarbeit mit:
Rita Illien, Müller Illien LA Zürich
Daniel Raidt - Kalt & Halbeisen, Zürich

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Städtebau und Architektur

Das Projekt verteilt das Raumprogramm auf zwei Gebäudevolumen und nutzt diese beiden zur räumlichen Fassung gleichwertiger Aussenräume unterschiedlicher Beschaffenheit. Der Ausblick über den Zürichsee wird über den Zwischenraum der beiden Neubauten erhalten. Weiter ermöglicht die Lücke Ein- und Durchblicke in und durch das Bildungs- und Begegnungszentrum. Die nordöstliche Aussenfläche des Zentrums bildet zusammen mit den Gärten der Nachbarsparzellen einen grosszügigen, grenzübergreifenden Freiraum. Das Gebäudeensemble mit seinen über Diagonalen zusammenhängenden Aussenflächen sucht nicht die räumliche Abgrenzung von seinen Nachbarsparzellen sondern die räumliche Verzahnung mit diesen. Den Begriffen „vor“ beziehungsweise „hinter“ dem Haus, kommt im Entwurf bewusst eine untergeordnete Bedeutung zu. Die Hanglage spielt dagegen eine wesentliche Rolle, sie wird über die Aussenflächen ,welche sich angefangen vom südlichen Pausenhof vor dem Schulhaus Dorfmatt über drei weitere Niveaus hinunter bis zum Rasenspielfeld entwickeln, erlebbar gemacht. So wird mittels der topografischen Gegebenheit des Ortes die gewünschte Abgrenzung und Vielfalt der Aussenflächen erreicht. Die beiden Neubauten heben sich mit ihren strukturellen Fassaden bewusst von der Massivbauweise des Bestandes ab und schaffen einen Kontrast, welcher das Schulhaus Dorfmatt als das herausragende Gebäude des Ensembles unterstreicht. Durch das sanfte Fassadenrelief, welches die Vertikalen etwas hervorhebt, entsteht gleichzeitig eine Verwandtschaft mit dem klassizistischen Altbau, es verleiht dem Bildungs- und Begegnungszentrum einen moderat repräsentativen architektonischen Ausdruck. Die gleichmässige Unterteilung der Fassadenflächen schafft aber auch Ruhe und Schlichtheit. Die Bauten des Bildungs- und Begegnungszentrums sollen in erster Linie als unaufgeregtes Ganzes gelesen werden, die Eigenheiten der einzelnen Gebäudekörper sollen sich erst auf den zweiten Blick offenbaren.

Disposition der Neubauten

Programmatisch werden die öffentlichen Teile des Begegnungszentrums, die Aula, die Mediathek und das Lernschwimmbecken im östlichen Neubau „Franz“ untergebracht. Der im Norden positionierte „René“ nimmt die Schule den Hort und die Krippenräume in sich auf. Die Aufteilung der öffentlichen und der schulischen Programmteile vereinfacht die Regelung der Zugänglichkeiten und schafft Klarheit. Die öffentlichen Räume zeigen sich einladend am südlichen Pausenplatz vor dem Schulhaus Dorfmatt. Sie richten sich gegen das Dorfzentrum und sollen eine direkte Ausstrahlung auf das Bächergässli und den Dorfplatz haben. Das die privateren Räumlichkeiten enthaltende Erweiterungsgebäude wird zentral in der Anlage platziert und schliesst den zwischen Runggelmatt und Dorfmatt liegenden Pausenhof nördlich ab.

Innere Organisation

„Franz“ verfügt in den beiden Hauptgeschossen über eine Art öffentlichen Laubengang, welcher sowohl als Foyer für den Saal dient, als auch die Küchenausgabe, die Erschliessung der Nebenräume und die Anlieferung der Disporäume und der Lager darstellt. Weiter enthält er die Treppen welche zum Lernschwimmbecken und hinauf zur Mediathek führen. Dieser Raum bildet das Rückgrat des Bildungs- und Begegnungszentrums, ist mit 3.5m dementsprechend grosszügig bemessen und die daran stattfindende Aktivität wird von den befestigten Pausenhöfen aus zu beobachten sein. Die Räume von „René“, welcher als Punktbau praktisch frei steht und aus allen vier Himmelsrichtungen Tageslicht empfängt, ordnen sich radial um einen Lichthof an. Im Erd- und in der Obergeschossen richtet sich die das Oberlicht enthaltende Erschliessungshalle gegen den Pausenhof und die übrigen Schulgebäude. Über die mit der Erschliessungshalle zusammenhängenden Garderoben und Gruppenräume sind Blickbezüge in alle Himmelsrichtungen möglich, man behält somit immer die Orientierung im Gebäude. Die Schulzimmer liegen immer an den Ecken und werden somit zweiseitig natürlich belichtet. Die Schulräume liegen in den Obergeschossen, die Horträume zentral im Erdgeschoss und die Krippe, welche über eine im Lichthof liegende Treppe mit dem Hort verbunden ist, im Gartengeschoss. Die Krippe orientiert sich somit auf die mehrheitlich unbefestigten Aussenflächen und ist auch über einen eigenen Eingang welcher über den grosszügigen Grünraum im Nordosten der Anlage erreicht wird, erschlossen. Dem Krippeneingang gegenüber liegt zudem ein direkter Eingang zum Lehrschwimmbecken.

Energiekonzept

Im Rahmen des Energiekonzeptes wurde bei der Fassadengestaltung auf eine ausgewogene Situation zwischen Dämmung und solarem Gewinn geachtet sowie ein guter G-Wert für den Sommer angestrebt. Dies führt zu hohem Komfort im Winter und im Sommer wird eine Überhitzung vermieden. Die passiv genutzte Solarenergie deckt einen erheblichen Anteil der Wärmeenergie ab. Die Energiegewinnung erfolgt mittels oberflächennahen Geothermie. Das im Erdreich erwärmte Wasser wird mittels Wärmepumpe auf das erforderliche Temperaturniveau angehoben um mit einer Niedertemperatur Tabs-Heizung die Gebäude zu beheizen. Somit wird ein erheblicher Teil der Heizenergie mittels erneuerbaren Energie abgedeckt. Im Sommer wird das Tabs-System zur Bauteilauskühlung genutzt, Freecooling über das Erdreich. Zur Regeneration der Erdreichabkühlung wird die Gebäudeabwärme genutzt. (beste Wirkungsgrade im Heizfall). Die beiden Neubauten „Franz“ und „René“ verfügen über eine getrennte Hygienelüftung. Franz verfügt ausserdem über eine zusätzliche Schwimmbadbelüftung. Durch die Rückgewinnung der Wärme in der Abluft wird ein Teil der erforderlichen Energie zur Erwärmung des Beckenwassers sichergestellt.


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